Pepe Teil 3: Muster im Kopf aufbrechen – dann klappt`s auch mit dem Spanier

Pepes Geschichte #3

Das Thema “Hundebegegnungen” stand bei unserer Trainingsarbeit weiter ganz oben, aber es gibt berechtigte Hoffnung: Nach mehreren Treffen konnte der kleine Spanier mittlerweile einen ganz bestimmten Artgenossen ganz gut leiden, nämlich den strubbligen Hund unseres Trainers (Spanier halten eben zusammen). Doch als dieser seine Manieren ganz kurz vergaß (der Hund, nicht der Trainer), reagierte Pepe auf eine ganz bestimmte Art und Weise. Aber nicht so, wie man (und insbesondere der Halter und Schreiberling des Blogs) erwartete. Und genau da nahm das “Drama” seinen Lauf…

Pepe hat einen Hundekumpel! Im Ernst?

Wie bereits bekannt, konnte er mit anderen Hunden in etwa soviel anfangen wie ein Schneemann mit tropischer Hitze. Trotzdem hatte er sich mittlerweile mit dem Hund des Trainers arrangiert, sie respektieren sich und kommunizieren (zumeist) so, wie man dies unter Hunden normalerweise auch tut. Gemeinsame Spaziergänge ohne “Zwischenfälle” (anderes Wort für die Pöbelei des kleinen Spaniers) waren mittlerweile möglich. Er hält es sogar aus, wenn sein Kumpel ihn berührt. Auch den Maulkorb muss er nicht mehr tragen. Das klingt evtl. für viele Halter normal, für uns bedeutet es einen großen Schritt in die richtige Richtung.

Ganz schön unhöflich!

Ok, zurück zu einem echten Schlüsselerlebnis. Was stand an? Klar, die nach wie vor größte Baustelle namens “Hundebegegnungen”! Wir trafen uns also auf dem Parkplatz, der Trainer ließ seinen Hund aus dem Auto springen. Er inspiziert zunächst einmal schnüffelnd die Gegend (der Hund, nicht der Trainer). Irgendwann lief er dann mehr oder weniger frontal und zügig auf den Dorfsheriff zu. Kurzer Exkurs, Basiswissen Hundeverhalten: Frontal auf den Gegenüber zugehen ist bei Hunden so mit das Unhöflichste, wie ein Hund einem anderen Artgenossen begegnen kann. Dies geht fast schon in Richtung Provokation. Und wie reagierte Pepe?

Hilf mir!

Na? Also in elf von zehn Fällen (ja, ich kann rechnen, das soll lediglich das Ganze betonen) prescht er nach vorne, zieht die Lefzen hoch und den Rest kennt man. Und heute? Bevor ich zur Auflösung komme, muss noch erwähnt werden, dass wir zu dem Zeitpunkt schon mit einer kleinen Wasserflasche arbeiteten. Diese setzten wir ein, sobald er sich bei Hundebegegnungen nicht gentlemanlike verhält. OK, da stand ich nun, der andere Hund kam frontal auf meinen Schützling zu. Der Dorfsheriff wollte aus der Situation raus und macht das Beste, was er bisher in einem solchen Moment gemacht hat: Er lief hinter mich und suchte Schutz bei mir!

Rechte oder linke Jackentasche?!

Wenn man Schulnoten vergeben würde: Eine glatte Eins (mit Stern). Und sein Beschützer, also in dem Fall meine Wenigkeit? Meine Aufgabe wäre gewesen, den anderen Hund wegzuschicken und so zu signalisieren: Ich werde meinen Kleinen beschützen, so geht man nicht aufeinander zu. Es ist bestimmt aufgefallen, dass ich im vorigen Satz den Konjunktiv bemühe. Und ich befürchte, dass nun jedem klar ist, dass ich genau das NICHT gemacht habe. Ich kann es im Nachhinein eigentlich selbst nicht glauben. Ich traue mich fast gar nicht zu erzählen, was in dem Moment meine Gedanken waren. Denn ich hatte in den Sekunden doch tatsächlich krampfhaft überlegt: Verflixt nochmal, in welcher Jackentasche befindet sich die Wasserflasche?

Note: “Mangelhaft”!

Warum die Suche nach dem Wasser? Na ganz einfach: Ich wollte meinen Spanier in zwei Sekunden nassmachen, weil er je eh gleich den anderen Hund heftig anpöbelt. Ihr fragt euch jetzt evtl., ob das mein Ernst ist?! Ja, das ist mein völliger Ernst! Und ja, ich hab doch wirklich nen Knall: Jetzt bietet mein Hund was an, und ich erkenne es nicht, weil sich verkrustete Szenarien in meinem Kopf abspielen, aber eben nur dort. Die Realität sah in dem Fall völlig anders aus, und ich war durch diese Möchtegern-Hellseher-Situation total verblendet. Meine Schulnote für heutiges Training? Wenn ich ehrlich bin, würde ich sagen “Versetzung stark gefährdet“, und sinngemäß fiel so auch folgerichtig das Urteil des Hundetrainers aus.

Sehen, was wirklich passiert!

Lerneffekt: Die Muster im Kopf aufbrechen und nur das sehen, was genau in dem Moment auch passiert, offen sein für Veränderungen. Denn permanente Vorstellungen im Kopf von Situationen, die vermeintlich gleich passieren, machen blind. Und wie soll denn der Kleine an einem solch wirklich tollen Erlebnis wachsen, wenn ich nicht mitspiele?! Die Stunde absolvierte er im Übrigen grandios, auch drei Begegnungen mit der “Flexi-Leinen-Luzie” hat er bestens gemeistert. Also, immer schön auf die Vierbeiner achten und jede Chance nutzen, die sie uns anbieten. Ich hoffe, dass die nächste Chance bald kommt!

Und so geht’s weiter…

Ein Tierschutzhund kann die Geduld bis auf das Äußerste strapazieren. Warum sich Durchhalten lohnen kann, Pepe eine Zugfahrt nach Spanien erspart blieb und wir eigentlich auf Tierschutzhunde stolz sein müssen…

Wie es mit Pepe weitergeht, erfahrt ihr in Teil 4 des Blogs.

2 Kommentare

  1. Simone Wenzlaff

    Schade… schon wieder viel zu kurz 😉 ich freue mich schon auf die Fortsetzung und finde es mega interessant (und lustig), wie Du Hund und Mensch gleichermaßen durchleuchtest.

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  2. Barbara

    Einfach nur schön. Das macht Hoffnung und ich freue mich wahnsinnig für Pepe und seine Familie!!!

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