Pepe Teil 4: Geduld wird belohnt – auch wenn es zu Beginn nicht so scheint!

Pepes Geschichte #4

Es wird Phasen geben, in denen Du einfach nur noch genervt bist von Deinem Tierschutz-Hund, Du denkst ans Kapitulieren. Er verlangt Dir nervlich alles ab: Er verhält sich nicht so, wie Du es gerne hättest. Ganz kurz denkst Du vielleicht daran, dass alle Mühen umsonst sind. Das ganze Training war für die Katz’ (und nicht für den Hund), denn er läuft Dir in der Wohnung immer noch ständig hinterher, im Auto fiept er auch nach unzähligen Fahrten noch und überhaupt: Er wird es nie kapieren, was wir von ihm erwarten. Doch STOPP!

Stolz statt Enttäuschung!

Halte mal kurz inne, und frag Dich, woher er kommt und unter welchen Bedingungen er bis jetzt sein Leben fristete. Wenn Du das gemacht hast, dann kann es eigentlich nur einen Gedanken geben: Sei einfach nur stolz auf den Kleinen (oder Großen), dass er die schlimmen Jahre überhaupt überlebt hat. Dass sein Weg ihn zu Dir führte und er Dir in seinem neuen Zuhause eigentlich alles recht machen will. Und bitte: Hilf ihm dabei, auch wenn es länger dauern kann, bis er es schafft.

Die Straße hinter sich lassen

Reise zum Mond?!

Ich habe (noch) keine Kinder, aber ich glaube (oder befürchte?), dass sich Kinder oftmals so verhalten wie ein Hund: Sie ignorieren Anweisungen, machen Unsinn (jedenfalls das, was Erwachsene als „Unsinn“ definieren). Man könnte den “Quälgeist” manchmal auf den Mond schießen oder dorthin schicken, wo der Pfeffer wächst. Ok, es gibt hier einen Unterschied: Den Hund kann man theoretisch wieder abgeben, was bei einem Kind nicht möglich ist. Doch tut man das? Auf gar keinen Fall und schon gar nicht aus lapidaren Gründen. Also ärgert man sich auch in Zukunft über Dinge, die er oder sie tut, obwohl man ihn oder sie schon mehrfach gemaßregelt hat.

Vergiss nie, woher wir kommen!

Die Lösung: Klonen bitte!

So auch bei unserem kleinen Senor Pepe aus Spanien. Es ist ja mittlerweile bekannt, dass er von (fast) allen anderen Artgenossen nichts wissen will. Die nach wie vor einzige Ausnahme: Sein Hundekumpel Mo, der strubblige Hund unseres Trainers. Aber leider kann man Mo nicht klonen und so muss Pepe eben auch mit anderen Vierbeinern seine Erfahrungen sammeln. Also heißt Pepe selbst über eine Distanz von 10 bis 20 Metern andere Hunde “herzlich willkommen” und zwar mit hochgezogenen Lefzen und ordentlichem Bellen! Die Konsequenz des unerwünschten Verhaltens ist eine Wasserdusche aus dem mitgeführten Fläschchen.

Trockener Spaziergang!

Nun begab es sich an einem sonnigen Donnerstagnachmittag, dass wir mit dem Hundetrainer und Kumpel Mo eine Stunde lang durch einen Park liefen, auf der Suche nach Hundebegegnungen. Ich nehme es vorweg und es ist eigentlich nicht zu glauben: Pepe blieb trocken!! Und zwar nicht, weil etwa die Wasserflasche daheim lag, wir keine Hundebegegnungen hatten oder ihn schlichtweg verfehlten (was bei seiner Größe durchaus vorkommen kann)! Ganz im Gegenteil: Er hatte sicherlich fünf bis sechs Begegnungen mit fremden Hunden, wovon einer ihm sogar extrem nahekam. Und was machte unser Pepe? NIX, einfach NIX, NADA!

An der Zugfahrt knapp vorbeigeschrammt!

Das löste bei uns solche Glücksgefühle aus, wie wenn man sein Kind zum ersten Mal ohne Stützräder Fahrradfahren sieht nach wochenlangem Training (so stelle ich es mir jedenfalls vor). Das war für uns und vor allem für Pepe ein Riesen-Fortschritt und die Belohnung für monatelanges Üben und Dranbleiben. Ich will nicht verschweigen, dass es durchaus Momente gab, in denen ich ihn gedanklich schon in den nächsten Zug Richtung Spanien setzte (one way natürlich), aber alleine diese eine Stunde wog alles doppelt auf.

Glück gehabt, der Zug fährt ohne Pepe ab!

So ein Streber!

Und das war erst der Anfang: Auch die Tage darauf verhielt er sich irgendwie “komisch”, wie verwandelt. Kein einziger Ausraster mehr bei Hundebegegnungen. Ok, ein kurzes leises Knurren oder Bellen war dabei, aber keinerlei Vergleich zu vor ein paar Wochen/ Monaten noch. Und als ob er noch nicht Streber genug gewesen wäre: Sein Fiepen im Auto auf dem Weg zur Arbeit war deutlich weniger bzw. überhaupt nicht mehr existent.

Und es lohnt sich doch!

Er hat in den letzten zwei bis drei Wochen einen großen Sprung nach vorne gemacht. Es zeigte sich wieder einmal, dass manche (Tierschutz-) Hunde eben Monate brauchen, bis sie in ihrem neuen Umfeld wirklich richtig ankommen, Vertrauen haben, sich beschützt fühlen und verstehen, was wir von ihnen wollen. Denn dass er es uns recht machen will, haben wir bereits in der ersten Trainingsstunde erfahren bzw. diesen Eindruck hatte die Trainerin von ihm. Ich bin wirklich gespannt, was er uns noch alles zeigt. Es wird Rückschläge geben, aber am Ende wird es wie so oft sein: Geduld wird belohnt!

Und so geht’s weiter…

Pepe vor schier unlösbaren Herausforderungen: Apportieren? Über größere Äste laufen und auf gefällte Baumstämme springen? Das schafft er doch nie im Leben…oder doch?

Wie es mit Pepe weitergeht, erfahrt ihr in Teil 5 des Blogs.

7 Kommentare

  1. Kerstin

    Wirklich toll und auch richtig schön geschrieben. Freue mich jede Woche auf die Fortsetzung. Weiter so 👍🏻

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    1. Michael (Beitrag Autor)

      Vielen Dank für die motivierende Rückmeldung und ich sehe, dass Pepe`s Geschichten sehr kurzweilig rüberkommen, sehr schön. Denn sie erscheinen 14-tägig, doch manchen kommt der Abstand wohl kürzer vor. 🙂 Liebe Grüße Michael

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  2. Betty

    Tolle Geschichte .. weiter so ihr zwei

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  3. Simone Wenzlaff

    Wieder einmal Danke für den kurzweiligen Moment – es macht so Spaß an ‚Pepes Ankommen‘ dabei zu sein. Zumindest fühlt es sich so an, während des Lesens.

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    1. Michael (Beitrag Autor)

      Hallo Simone, schön das zu lesen. Dann freu Dich auf den nächsten Teil, der ja schon wieder vor der Tür steht. Grüße Michael

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  4. Barbara

    Ich bin Michael und Pepe neulich begegnet, mit eigener kleiner Streunerin an der Leine, die sich wie ich immer laut (sehr laut) quietschend gefreut hat die beiden zu treffen.Und was ist passiert? Nichts! Pepe hat ganz freundlich geguckt. Michael auch. Aber Pepe hat wirklch keine Lefze gehoben, nicht geknurrt und ist nicht vorgeschossen. Nicht mal ein ganz kleines bißchen. Richtig klasse!

    Kleiner Pepe, mach weiter so! Finja will Dich so gerne mal richtig begrüßen. Bei ihr heißt dass, dass sie Deine Nase küssen und vielleicht mal ein Pfötchen auf Deine Schulter legen möchte.

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    1. Michael (Beitrag Autor)

      Hallo Barbara, ja, unsere Begegnungen laufen mittlerweile harmonisch(er) ab. Damit meine ich natürlich die Begegnung unserer beiden Tierschutz-Hunde Pepe und Finja. 🙂

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