Pepe Teil 6: „Was für eine Bescherung” – Weihnachten mal anders und der undurchdrungliche Futter-Dschungel!

Pepes Geschichte #6

Schon im letzten Teil des Blogs hatte ich von einer Nachbarin berichtet, der auffiel, dass der Dorfsheriff sich sehr verändert hat. Also nicht optisch, sondern auf sein Verhalten bezogen. Und siehe da, auch diese Woche wurden wir wieder von einer Nachbarin angesprochen, wie sich unser Pepe doch verändert hat. Von „wie verwandelt“ war sogar die Rede. An ihrer süßen Hündin (Lou) läuft der Ex-Pöbler mittlerweile vorbei, als wenn es das Normalste der Welt wäre. Da gab es ganz andere Zeiten, in denen sie sich ihm nicht näher als zehn Meter nähern durfte.

Die nächste Stufe wäre dann, dass er im Freilauf mit Lou oder Finja (ebenfalls eine Nachbarshündin) entspannt spazierenläuft, ohne (übertrieben) zu zeigen, was er grundsätzlich von anderen Hunden hält. So richtig „verlieben“ wird er sich wohl nie in einen anderen Hund, auch wenn es in nächster Nachbarschaft durchaus einige hübsche Hündinnen für den rassigen Spanier gibt. Aber ein entspanntes Nebeneinander, auch mit einer gewissen Nähe verbunden, wäre toll und darauf arbeiten wir weiter intensiv hin. Sobald dies passiert, werde ich berichten. Aber das ist ja gar nicht das Hauptthema dieses Teils.

Die Suche nach dem heiligen Futter

Wie im ersten Teil des Blogs beschrieben, haben wir uns viele Gedanken gemacht, welches Spielzeug ihm wohl gefallen würde, das Ende ist ja bekannt. Dasselbe galt für das Futter, welches er in Zukunft bei uns bekommen sollte. Und ich meine damit nicht die Marke. Denn es ging erst einmal um die Beantwortung folgender Frage: Trocken- oder Nassfutter?! Um ihm die Eingewöhnung nicht unnötig schwer zu machen, war klar, dass er in der ersten Zeit auf jeden Fall Trockenfutter bekommen sollte. Denn auf diese Weise wurde er auch auch in Spanien gefüttert.

Wie man das heutzutage so macht, habe ich das Internet durchforstet auf der Suche nach dem „besten“ Futter. Dass man damit Stunden, Tage oder gar Wochen verbringen (oder vergeuden??) kann, wusste ich zu dem Zeitpunkt noch nicht. Denn anscheinend hat das Thema „Hundefutter“ eine Metamorphose erlebt und ist mittlerweile (wie die menschliche Ernährung teilweise auch) zu einer Art Religion mutiert. So jedenfalls hatte ich schnell das Gefühl. Zum Glück hatte ich wenigstens eine Entscheidung getroffen: Mein Hund wird mit Fleisch gefüttert. Ihn vegan, vegetarisch oder mit Insekten zu füttern, hatte ich für uns ausgeschlossen.

Trockenfutter, für den Anfang jedenfalls

Wer die Wahl hat…

Ich stand zu dem Zeitpunkt noch nicht vor der Entscheidung „Trocken- oder Nassfutter“ und musste nur das richtige Trockenfutter auswählen. Nichts einfacher als das!? Genau das dachte ich auch, aber nur kurz. Wir gingen in den ortsansässigen Zoofachmarkt und standen nun vor riesigen Regalen voller Säcke, prall gefüllt mit Trockenfutter. Abgebildet waren Wölfe, glücklich aussehende Hühner, Pferde mit prächtiger Mähne oder einfach nur ein vital und gesund aussehender Hund (ja, das Auge kauft mit). Da ich durch stundenlange Internet-Recherchen ein wenig Bescheid wusste, konzentrierten wir uns auf die Sorten, die u.a. einen möglichst hohen Fleischanteil hatten. Wenn es sich dabei noch um Bio-Qualität handelte, umso besser.

Am Ende landeten damit rund 4 verschiedene Futtermarken im Einkaufswagen, in der Hoffnung, dass ihm wenigstens eine davon schmecken würde. Ich mache es kurz: Nach anfänglichem Mäkeln (ist er etwa ein Gourmet?) konnte er sich überwinden und fraß eines der angebotenen Futter. Wir spielten ihm sogar vor, dass wir selbst das Trockenfutter knusperten. Das imponierte ihm wohl sehr, beeinflusste und beschleunigte eventuell seinen Entscheidungsprozess positiv. Um Gerüchten vorzubeugen: Probiert hatte ich es nie wirklich und meine Frau auch nicht (hoffe ich jedenfalls).

Wir brauchen ein Lager!?

Nach der ersten Hürde folgte die zweite, die da lautete: Trocken- oder Nassfutter?! Und auch hier die Vorgehensweise wie zuvor: Recherchen, Recherchen und nochmal Recherchen! Wir entschieden uns aus verschiedenen Gründen für Nassfutter. Erst jetzt wurde mir klar, wieviele Anbieter an gesundem (das behaupten jedenfalls fast alle) Nassfutter es gibt. Neben den unzähligen Futterdosen im Zoofachmarkt gibt es einen schier undurchdringlichen Futter-Dschungel, den es zu durchdringen galt. Doch als ob dies noch nicht genug wäre:

In den letzten Jahren etablierte sich das „Barfen“, bei dem man seinem Vierbeiner ausschließlich naturbelassenes Futter anbietet: Rohes Fleisch, rohen Fisch, frische Knochen und Innereien, garniert mit rohem Gemüse und Obst, Nüssen und Ölen. Da man frisches Fleisch nicht unbedingt lange lagern kann, sah ich vor meinem geistigen Auge schon mindestens drei neue Kühltruhen im kleinen Keller stehen, um nicht jeden zweiten Tag beim Metzger einkaufen zu müssen. Ganz zu schweigen von den neuen Küchen-Regalen, in denen dann die Öle und alle weiteren Zusätze gelagert werden müssten.

Brauche ich eine größere Wohnung?

Pepe: Auftauen wird völlig überbewertet!

Doch es gab eine Lösung: Wir bestellten uns gefrorenes Fertig-Barf, das anscheinend alles enthielt und nur aufgetaut werden musste. STOPP! Das war jedenfalls unsere Meinung. Denn als mir versehentlich die Verpackung riss und mehrere gefrorene Portionen auf dem Boden kullerten, ergriff Pepe gleich die Chance und verleibte sich zwei bis drei kleinere Portionen ein. Wohlgemerkt: Gefroren! Eines konnte ich ihm noch entreißen, die anderen waren für ihn wohl ein leckeres Rindfleisch-Eis, das er sich hat schmecken lassen. Wohl bekommt`s! Zu Beginn war er auch bei diesem Futter skeptisch, doch mit der Zeit fraß er es sehr gerne (selbstverständlich zimmerwarm) und alles schien gut.

Wenn man es nur lang genug lutscht, taut es auf

Erster Besuch in der Tierklinik

Doch nach mehreren Wochen war sein „Output“ (so nenne ich das, worin Menschen nicht gerne reintreten) extrem hart und innen wie Pulver. Also fing die Suche wieder von vorne an. Wir landeten dann bei einem Bio-Nassfutter, dessen Beschreibung sehr gut klang und die Inhaltsstoffe versprachen hohe Qualität. Die Umstellung klappte sehr gut, er nahm das Futter gleich gut an. Er hatte über Wochen keinerlei gesundheitlichen Probleme, jedenfalls nicht bis kurz vor Weihnachten 2020. Denn vor fast genau 6 Monaten, kurz vor Heiligabend, sah sein Output nicht wirklich wie immer aus, die Konsistenz war nicht normal (Details erspare ich den Lesern:innen lieber).

Am nächsten Tag steigerte sich das Ganze und wir mussten desöfteren unsere Fußböden aufwischen. Da wir mit einem offensichtlichen Magen-Darm-Problem bei Pepe keinerlei Erfahrungen hatten, riefen wir in der Tierklinik an. Diese sah noch keinen Anlass, dass wir dort vorstellig werden sollen und so warteten wir ab. Nachts schlief ich auf dem Sofa und ging mit dem Kleinen alle 2 Stunden vor das Haus. Am nächsten Tag stellte sich keine Besserung ein. Als er dann in der Nacht darauf sich auch noch übergeben musste, fuhren wir nach nochmaliger Rücksprache zur Tierklinik. Dort bekam er eine Spritze gegen Übelkeit und wir fuhren wieder nach Hause.

Nehmt mich bloß wieder mit!

“Schöne Bescherung”

Doch es ist ja allgemein bekannt, dass die Bescherung erst am Heiligabend erfolgt und so war es dann auch: Zu der Konsistenz kam nun auch noch Blut dazu und die Folge war ein nochmaliger Besuch in der Tierklinik. Er war mittlerweile auch geschwächt und die Tierärztin stellte fest, dass er in Folge des Flüssigkeitsmangels dehydriert war. Die Folge: Wir fuhren ohne unseren kleinen Schatz nach Hause, er wurde stationär aufgenommen. Den Hundehaltern unter den Lesern:innen muss ich nicht erzählen, wie man sich dabei fühlt und den anderen wünsche ich, dass ihnen das erspart bleibt. Den geplanten und unter normalen Umständen leckeren Weihnachtsbraten ließ ich liegen. Der Hunger verging mir regelrecht angesichts der Situation mit dem Spanier.

Ich kriege keinen Bissen runter

Vollpension ist halt teuer

Von da an informierte man uns täglich über den Zustand unseres Dorfsheriffs und die notwendigen Untersuchungen. Die Warterei auf den Anruf war für mich zermürbend. Ich weiß nicht mehr im Detail, was alles untersucht wurde, aber ich glaube, viel mehr kann man nicht analysieren (Ultraschall, zig Blutuntersuchungen etc.). Mit Übermittlung seines Zustands hatte man uns auch gleich den „Kontostand“ mitgeteilt und Freigaben weiterer Untersuchungen angefragt. Aber ganz ehrlich: Gibt es in solch einem Fall überhaupt eine Schmerzgrenze? Soll ich notwendige Untersuchungen verweigern, nur damit sich die Rechnung dadurch nicht weiter erhöht? Das kam für mich nicht in Frage.

Wellness-Urlaub hat seinen Preis

Doch als man uns am vierten (!!!) Tag mitteilte, man wolle ihn noch einen Tag beobachten, legte ich mein Veto ein. Wir vermissten ihn so sehr, es wurde Zeit, dass er heimkam. Es sprach (medizinisch) nach Rücksprache mit der verantwortlichen Tierärztin nichts mehr dagegen und am Abend holten wir Pepe endlich wieder ab. Vor lauter Wiedersehensfreude pieselte er bei Abholung als Abschiedsgeschenk noch ins Behandlungszimmer. Trotzdem: Die Angestellten schwärmten von ihm in den höchsten Tönen (total lieb, sooo süß, total unkompliziert und immer kooperativ) und man knobelte anscheinend fast schon aus, wer mit ihm kurz an die frische Luft zum Gassigang gehen durfte.

Wie bei Pepe üblich, kennt er nur “richtig oder gar nicht”: Auf der Rechnung war der höchstmögliche „Bonus“ aufgelistet: Feiertags-Zuschläge und Notdienst-Gebühren! Ich wusste nicht einmal, ob das Limit meiner EC-Karte ausreichend hoch genug war, aber die Bank winkte die Bezahlung des viertägigen „Wellness-Urlaubs“ (mehr würde ein solcher für zwei Personen nicht kosten) durch.

Eines der teuersten Weihnachten

Haferschleim und Ziegen-Feta

Er bekam in der Folge weiter das vorhandene Nassfutter und nach einigen Wochen kam es immer mal wieder zu einem Rückfall, nur nicht ganz so heftig. Wir bekamen es ganz gut in den Griff. Als es dann aber wiederholt schlimmer wurde, unsere eigentliche Tierärztin nicht wirklich eine Diagnose stellen konnte und ein bisschen ratlos wirkte, kontaktierten wir eine Ernährungsberaterin. Wir waren mit unserem Latein am Ende. Es begann ein Darmflora-Aufbau: Er bekam in der ersten Woche ausschließlich Ziegen-Feta und Haferschleim mit Quark. Dies klingt für unsereins vielleicht nicht sehr appetitlich, aber Pepe inhalierte es schon fast. Das Niveau steigerte sich relativ schnell vom Kranken-Menü hin zur Sterneküche.

Willkommen im 5-Sterne-Restaurant

Auf dem Speiseplan stand nämlich jetzt gedünstete Bio-Hähnchenbrust, dazu gedünstetes Bio-Gemüse (Fenchel, Karotten, Zucchini, Pastinake) püriert, garniert mit Bio-Kresse und Thymian. Das eine und andere Darm-Mittelchen rundeten die gesunde Kost ab. Ich kürze an der Stelle etwas ab, da die Änderungen nicht signifikant waren: Er bekommt aktuell nach wie vor gedünstete Bio-Hähnchenbrust mit püriertem Bio-Gemüse, mittlerweile aber gemischt mit Hähnchenfleisch aus der Dose (natürlich Bio-Qualität) und notwendige Zusätze wie beispielsweise hochwertiges Öl. Und wir stellen fest: Er hatte nie besseren Output. Nur noch extrem selten ist dieser auffällig. Wir sind also (hoffentlich) auf einem guten Weg, so unser Gefühl.

Das ist mittlerweile Pepe`s tägliches Menü

Essen, was guttut?!

Ich habe sehr viel über Hunde-Ernährung gelesen und gehört. Es ist mittlerweile wohl erwiesen, dass Hunde -entgegen landläufiger Meinung – sehr wohl Kohlenhydrate verwerten können und diese nach Meinung diverser Experten sogar benötigen. Ich kenne Argumente, die für Barf oder Nassfutter und für Trockenfutter sprechen. Synthetisch hergestellte Zusätze sind bei manchen Hundehaltern verpönt, einige Halter füttern Insekten ihren Vierbeinern. Was habe ich letztendlich daraus gelernt? Bevor ich jetzt zum Fazit komme, muss ich betonen, dass ich die Fütterungsarten in der Tiefe nicht bewerten will und auch nicht kann. Dies überlasse ich den Profis.

Ich bin der Meinung, dass man die Kirche im Dorf lassen sollte. Natürlich ist Barf eine gesunde Weise, seinen Hund zu füttern. Auch qualitativ hochwertiges Nass- oder Trockenfutter kann einem Hund guttun. Aber am Ende ist es aus meiner Sicht auch die Frage, was meinem Hund bekommt?! Was nützt es mir und dem Vierbeiner, wenn er eine bestimmte Fütterungsart nicht verträgt, auch wenn es vielleicht die vermeintlich gesündeste ist?

Wer is(s)t gesünder?

Und ganz ehrlich: Während ich den Teil des Blogs schreibe, steht neben dem Laptop u.a. eine kleine Schüssel mit Chips (immerhin fettreduziert), alles andere behalte ich lieber für mich. Ich ernähre mich auch nicht immer bedarfsgerecht und gesund. Manchmal habe ich das Gefühl, dass Pepe gesündere Nahrung zu sich nimmt als ich. Man sollte sich nicht verrückt machen lassen und mit der Zeit bekommt man ein Gefühl dafür, was für den Vierbeiner geeignet ist. Anfänger, die sich unsicher fühlen oder deren Hunde Probleme haben, können sich entsprechende Hilfe holen und eine kompetente Ernährungsberatung in Anspruch nehmen.

Die einzig und allein glücklich machende Art zu füttern gibt es wohl nicht, auch wenn es manch Werbung uns dies vorgaukeln möchte. Genießt die Zeit mit euren Vierbeinern und macht euch nicht (zu)viele Gedanken um das Drumherum, denn man kann es auch schnell damit übertreiben. Ich weiß, wovon ich spreche bzw. schreibe.

Immerhin fettreduziert! 🙂

Und so geht’s weiter…

Unheimliche Begegnungen der dritten Art: Die “der tut nix”- und “der will nur spielen”-Fraktion gibt es wirklich und außerdem bin ich neuerdings wohl auch für die Erziehung fremder Hunde verantwortlich, ohne Hundetrainer zu sein…jedenfalls in den Augen der “dritten Art”.

Wie es mit Pepe weitergeht, erfahrt ihr in Teil 7 des Blogs.

2 Kommentare

  1. Erika Wunsch

    Wir haben ähnliche Erfahrungen gemacht ( Durchfälle, Infusionen, Giardienbefall und teure Tierarztrechnungen) und sind durch sehr interessante Infos von Per Naturam im Internet nun sehr glücklich , weil der Hund anscheinend nun das Fressen bekommt, was er braucht!Siehe
    http://www.pernaturam.de/hunde
    Ein Satz in verschiedenen Artikeln von Per Naturam: “was würde Ihr Hund fressen, wenn er in der Natur unterwegs wäre….? Er würde Mäuse u.a. mit Haut und Haaren verspeisen…, er würde bestimmt kein Trockenfutter kaufen”. Dieser Satz hat für unsern Hund alles verändert: er bekommt kein Trockenfutter mehr und: er ist putzmunter und die Arztbesuche beschränken sich auf Krallen schneiden!
    Viele Grüße

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  2. Michael (Beitrag Autor)

    Hallo Erika, toll, dass ihr das richtige Futter für euren Hund gefunden habt. Ich hätte es nicht für möglich gehalten, dass es so schwer sein kann, einen Hund artgerecht und zu ihm passend zu füttern. Aber man lernt nie aus… 🙂

    Liebe Grüße

    Michael

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