Pepe Teil 8: „Jetzt rede ich!” Der Dorfsheriff packt aus.

Pepes Geschichte #8

Da es beim letzten Mal und ersten Versuch ganz gut klappte und vor allem die Resonanz positiv ausfiel, lassen wir in diesem Teil ausnahmslos den Dorfsheriff zu Wort kommen. Er war in den letzten Wochen immer mehr der Meinung, dass die (Hunde-)Welt ein Recht darauf hat, zu erfahren, wie es ist, als Tierschutzhund plötzlich anzukommen und was man da alles erlebt. Und zwar aus Sicht des Hundes. Dies wollen wir ihm nicht verwehren, also legen wir los.

Das Interview führte ein Außenstehender, damit Pepe nicht in Versuchung kam, evtl. aus Rücksicht auf seine Halter:in nicht offen und ehrlich zu antworten. Eines wird beim Lesen relativ schnell klar: Das Verschmitzte und teilweise Ironische seines Halters scheint schon etwas abgefärbt zu haben, aber lest selbst.

Reisen wir zurück zum 06. Juni 2020: Was waren Deine ersten Gedanken, als Du Deine neuen „Eltern“ sahst?

Naja, sie machten auf den ersten Blick einen recht sympathischen Eindruck, empfingen sie mich doch freudig und mit einem Lächeln. Doch als sie mich in diese enge Box im Kofferraum sperrten, war meine anfängliche Euphorie schnell verflogen und ich büxte bekanntermaßen erst einmal aus. Die Folge: Ich durfte auf der Rückbank neben meinem neuen Frauchen ins neue Zuhause fahren. Meine erste Lernerfahrung in neuer Umgebung: Wenn ich etwas nicht möchte, muss ich es auch nicht machen (dachte ich jedenfalls zu dem Zeitpunkt noch).

Wie liefen die ersten Tage, gab es irgendwelche Komplikationen?

Es kommt immer darauf an, aus welcher Sicht man das betrachtet. Also meine neuen Hundeeltern sahen in meinen anfänglichen Markierungen in der Wohnung durchaus gewisse „Komplikationen“. Aber woher soll ich denn bitteschön wissen, dass dies nun mein neues Zuhause ist und ich gefälligst draußen meine Geschäfte verrichten soll?! Ich dagegen war diesbezüglich tiefenentspannt und nach zwei bis drei Tagen hatte ich es auch verstanden, ich bin ja nicht blöd.

Das Futter war zu Beginn nicht ganz so berauschend, um es mal so auszudrücken. Aber Steffi und Michael lernten schnell: So hatte ich innerhalb kurzer Zeit eine ganze Auswahl an (Trocken-)Futter und konnte mir das beste aussuchen (Lernerfahrung: siehe erster Absatz). Das Thema „Futter“ begleitet uns ja bis heute, aber das wissen die treuen Blog-Leser:innen ja schon.

Kommen wir zu Deiner „Einschulung“: War es denn wirklich erforderlich, einen Hundetrainer zu engagieren?

Ja absolut und zwar dringend. Aber nicht, dass wir uns hier falsch verstehen: Wegen mir war das sicherlich nicht unbedingt nötig, auch wenn Frauchen und Herrchen das wahrscheinlich anders sehen. Das Problem war in meinen Augen klar ersichtlich, auch wenn man ihnen ein gewisses Bemühen nicht absprechen kann. Denn die beiden hatten einen recht überschaubaren Plan und überhaupt ein sehr limitiertes Wissen, wie man mit Hunden im Allgemeinen umgeht.

Und wer muss nun die Schulbank drücken?

Daher war ich heilfroh, dass sie sich Hilfe holten. Ich will mich nicht selbst loben, aber noch heute klingen mir die Worte der Trainerin in meinen süßen Ohren: „Ihr habt einen wirklich tollen Hund, er will euch alles recht machen…!“ Da wusste ich sofort, sie kennt sich mit Hunden und mir im Besonderen eben aus. Überaus sympathisch, die Dame. Ich will mich aber nicht ganz aus der Schusslinie nehmen, die eine oder andere kleinere Baustelle gab es auch bei mir von Beginn an. Zum Beispiel die Hundebegegnungen….

…warum, was war da los? Erzähl` doch mal!

Ich habe, seit ich denken kann, keinerlei Interesse an anderen meiner Zunft. Das ist gar nicht mal so ungewöhnlich und selten, auch wenn die Menschen oft anderer Meinung sind. In deren Vorstellung sind solche Hunde – wie ich – nicht sozialisiert oder gar aggressiv. Aber weit gefehlt und nebenbei bemerkt: Ich habe auf meinen unzähligen Gassigängen noch niemals einen Menschen gesehen, der einen fremden (!!!) Mitbürger nach kurzem Beschnuppern bzw. Kennenlernen umarmt und ihm so richtig auf die Pelle rückt.

Aber als Hund soll man andere Artgenossen gleich toll finden und am Ende sogar mit ihnen umhertollen und spielen? Mit welcher Motivation sollte ich das tun? Und was Menschen als „spielen“ ansehen, ist oft was völlig anderes, aber ich will das jetzt nicht vertiefen. Da ich mein Desinteresse aber oftmals (zu) deutlich zeigte, bin ich seit mehreren Monaten fester Bestandteil (sofern ein Platz frei ist) bei den „anonymen Pöblern“. Wir sind eine kleine, aber feine Gruppe eines Deeskalationskurses mit wechselnden Teilnehmer:innen und einigen Stammgästen.

Bitte wer? Anonyme Pöbler?

Das klingt jetzt vielleicht schlimm, aber es ist alles halb so wild (ich übertreibe halt gerne). Ja, wir treffen uns in einem eingezäunten Gelände auf einer Wiese und dort können wir innerhalb einer Stunde unter Gleichgesinnten unsere soziale Kompetenz zeigen. War am Anfang das alles noch sehr gruselig, laufe ich mittlerweile auch mal ohne zu pöbeln (früher undenkbar) zwischen zwei Hunden durch, die so groß sind, dass ich fast unter ihnen durchlaufen könnte, ohne dass sie mich bemerken. Dann höre ich das motivierende „jaaaaa…suuuuper“ von meinen Hundeeltern, das mir anzeigt, dass ich auf dem richtigen Weg bin.

Willkommen bei den “anonymen Pöblern”

Apropos richtiger Weg: Wie ist es denn um Dein Futter bestellt?

Da habe ich schon einiges durchprobiert. Zu Beginn das eingangs erwähnte Trockenfutter, dass aber nicht ganz so mein Ding war. Danach wurde dann aufgetautes rohes Fleisch mit allerlei Beilagen serviert, von dem machte ich aber sehr harte „Kugeln“, Details erspare ich euch. Danach dann bekam ich leckeres Bio-Essen aus der Dose. Im Gegensatz zu euch Menschen, stehen viele Hunde total auf Dosenfutter.

Doch dann bekam ich eine üble Magen-/ Darm-Entzündung mit viertägigem Aufenthalt in der Luxus-Klinik und dies änderte alles. Nach einer Diät-Woche mit matschigen Haferflocken mit Quark und Feta pur wird nun für mich auch gekocht. Ich muss sagen, dass ich kein mäkeliger Fresser bin, aber das schmeckt schon extrem gut, was die Herrschaften mir derzeit servieren. Außerdem soll der Essensplan wohl nachjustiert werden wie ich vor kurzem aufgrund eines Telefonats mitbekommen hatte. Ich bin schon ganz gespannt, was dann demnächst bei mir im Napf landet.

Das klingt alles zunächst einmal sehr gut, doch alles hat auch immer zwei Seiten. Auf was könntest Du denn verzichten, was passt Dir nicht?

Da fallen mir auf die Schnelle zwei menschliche Unarten ein, denn das kann unmöglich ein Hund erfunden haben. Und jedes Mal ist komischerweise nur mein Frauchen mit involviert, mein Chefchen verdrückt sich dann immer. Zum einen steckt sie mich alle vier bis sechs Wochen in die Badewanne, schäumt mich ein und dann stehe ich dann nahezu bewegungslos in knöcheltiefem Wasser, bis der Schaum abgewaschen wird und ich wieder raus gehoben werde. Anschließend flitze ich wir ein Irrer durch die Wohnung und wälze mich auf jedem Teppich.

Muss das wirklich sein?

Und das Zweite ist das Zähneputzen. Wenn mich Frauchen abends zu sich ins Badezimmer ruft, weiß ich schon ganz genau was mich erwartet: Sie zieht über ihren Finger so ein Gummi-Ding und dann schrubbelt sie mir an den Zähnen rum. Ich habe keine Ahnung, was das bringen soll. Da ich eh keinen Kontakt zu anderen Hunden mag, kann ich doch auch mit Mundgeruch umherlaufen. Am Ende kriegt es ja eh kein Hund mit, dass ich mit frischem Pfefferminz-Atem unterwegs bin. Vielleicht würden die anderen ja sogar mehr Abstand zu mir halten, wenn ich etwas strenger aus dem Maul rieche?! Aber ok, wenn es denn sein muss, lasse ich es eben über mich ergehen.

Wir wissen ja, dass nach wie vor auch Einzeltrainings mit Dir gebucht werden. Wo besteht aus Deiner Sicht denn noch Handlungsbedarf?

Ich weiß nicht, ob ich darauf antworten will, da bin ich etwas zwiegespalten. Ich versuche mal, neutral zu antworten und zu erklären, warum ich zwiegespalten bin. Abgesehen von der klareren (Körper-)Sprache, die noch intensiv(er) angewendet werden muss, ist es meine ausgefeilte Stalking-Technik, die ihresgleichen sucht. Wenn mein Chefchen im Badezimmer verschwindet, warte ich vor der Badezimmer-Tür, bis er endlich wieder rauskommt. Machen wir unterwegs eine Pause auf einer Parkbank, so setze oder lege ich mich maximal 1cm von ihm entfernt und mache ebenfalls eine Pause. Gerüchten zufolge schnuppern andere Hunde in der Zeit, in der das Herrchen oder Frauchen Pause machen, in der Gegend rum. Aber das ist nicht mein Ding.

Dort, wo er ist, da bin ich nicht weit entfernt. Nicht ganz so penetrant, aber ähnlich, verhalte ich mich auch bei Frauchen. Zuallererst nervt das meine Hundeeltern natürlich, was ich ein wenig nachvollziehen kann. Ich hätte ja auch keine Lust und es würde mir gegen den Strich gehen, wenn einer der beiden ständig hinter mir herlaufen würde.

Überwachung hat einen Namen: Pepe

Warum zwiegespalten? Naja, ich bin sehr gerne immer in der Nähe von beiden, andererseits wäre ich bestimmt auch um einiges entspannter, wenn ich mich auch bei mehr Distanz noch wohlfühlen würde. Das muss ich noch lernen. Ohne Hilfe schaffe ich es aber nicht, denn ich kann gar nicht anders als mich immer in der Nähe aufhalten und brauche unbedingt Hilfe und klare Ansagen. Für mich und Chefchen wird das nicht einfach werden, aber danach profitieren alle davon. Also: „Vamos!“, wie wir Spanier sagen oder “Auf geht`s”, um es in der jetzigen Heimatsprache zu sagen.

Angenommen ich bin die Hunde-Fee und Du hättest drei Wünsche frei, welche wären das?

Darf ich auch vier Wünsche äußern? Bitte bitte bitte!

Kurzer Exkurs: Bei dieser Gegenfrage nutzte Pepe den Muskel, mit dem Hunde die Halter:innen schier willenlos machen können (für Experten: FACS-Code AU101). Denn damit heben Hunde ihre innere Augenbraue hoch (Stichwort Dackelblick) und schon ist es um den Menschen geschehen. Insofern lautete die Antwort:

Also gut, ausnahmsweise vier Wünsche!

Erster Wunsch: Mein Chefchen sollte insgesamt entspannter werden, das tut der ganzen Familie gut. Was ich damit meine? Ganz einfach: Wenn ich mich mal kratze, habe ich nicht gleich eine Futtermittelallergie, Flöhe, eine schwere Ohrenentzündung oder Zahnprobleme. Wenn ich mal Gras esse, bedeutet das nicht, dass eine üble Magen-/Darm-Entzündung vor der Tür steht. Und in der Gruppe der anonymen Pöbler soll er nicht gleich aufgeben und nicht selbst anfangen zu „pöbeln“, wenn ich mich mal nicht perfekt benehme. Denn genau deshalb sind wir ja dort und seine Stimmung überträgt sich eben auf mich, so dass die Stunde zum Scheitern verurteilt ist (kam wirklich schon mal vor).

Mensch, entspann` doch mal!

Zweiter Wunsch: Ich brauche in vielen Situationen eine klarere Kommunikation. Ich höre zwar an der Stimme, ob ich etwas richtig mache oder ob man mich korrigieren möchte. Doch die Herausforderung für mich besteht darin, rauszufinden, was genau ich denn nun (besser) machen soll?! Das ist für mich meist zuviel „Wischiwaschi“ und mir bleibt dann oftmals nur ein ratloser Blick. Eine klarere Körpersprache würde ich meinen Hundeeltern ans Herz legen, denn so kommunizieren Hunde eben und dann verstehen wir auch recht schnell, in welche Richtung es gehen soll.

Eindeutige Kommunikation erwünscht

Dritter Wunsch: Ja, ich weiß, ich bin klein und leicht und manchmal brauche ich halt länger, bis etwas klappt. Trotzdem könnte man mir auch mal mehr zutrauen. Auf eine Parkbank springen, auf Baumstümpfe springen, im Fahrradkorb mitfahren etc. All das sind für mich keine Probleme, denn mit ausreichend Training und Geduld schaffe ich (fast) alles. Die werden sich noch wundern.

Vierter Wunsch: Ich fühle mich hier mittlerweile angekommen und zuhause. Wir wachsen immer mehr zu einem Team zusammen, in dem sich jeder auf jeden verlassen kann. Kurzum: Ich wünsche mir, dass ich bis zu meinem letzten Atemzug bei meiner neuen Familie bleiben darf und wir gemeinsam noch viele schöne Momente erleben.

Zusammen bis zum letzten Atemzug

Und so geht’s weiter…

Die letzten 13 Monate waren geprägt von Hoffnungen, Enttäuschungen, Tragödien, intensiven Momenten, der Erweiterung des Horizonts, Euphorie, Motivation…aber was kommt noch auf uns zu? Wagen wir einen Ausblick..

Wie es mit Pepe weitergeht, erfahrt ihr in Teil 9 des Blogs.

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