Pepe Teil 9: „Was war, was ist und „que sera”?

Pepes Geschichte #9

Seit exakt 431 Tagen hat Pepe nun sein Zuhause bei uns. 431 Tage voller Hoffnungen, mittleren Tragödien, intensiven Momenten, Entspannung, Selbstreflexion, Anspannung, Überraschungen und Motivation. Wie bereits angekündigt, handelt es sich mit Teil 9 um den (vorerst) letzten Teil des Blogs. So unverhofft, wie ich zu der Ehre kam, einen Blog mit dem übergeordneten Thema „Tierschutzhund und die möglichen Folgen“ zu befüllen, so schnell verging gefühlt die Zeit: Der erste Teil erschien bereits am 13. April und danach folgten weitere, immer genauestens verfolgt von Pepe. Zeit also, zurückzublicken, innezuhalten und nach vorne zu schauen. Vorher ein kurzer Schwenk:

Bildschirmkontrolle des Dorfsheriffs: Was schreibt er da über mich?

Humpelt er oder höre ich das Gras wachsen?!

Denn Pepe wäre nicht Pepe, wenn er seit dem letzten Teil des Blogs nicht etwas Neues erlebt hätte. Vor einiger Zeit hatte ich das Gefühl, dass er irgendwie unrund läuft, vielleicht sogar leicht humpelt. Da meiner Frau dies nicht auffiel, verwarf ich diesen Gedanken wieder, da ich da öfters mal das Gras wachsen höre. Aber dann erwähnte sogar unser Trainer während eines Einzeltrainings, dass er den Eindruck hat, dass Pepe humpelt. Na toll, also nun doch oder täuschen wir uns?! Klar, das musste geklärt werden und so vereinbarten wir einen Termin bei einer Top-Physiotherapeutin.

Und was soll ich sagen bzw. was sagte sie über den Kleinen? „Ihr habt einen wirklich tollen und lieben Hund. Er macht alles mit, zeigt total nett und vorsichtig an, wenn ihm etwas unangenehm ist! Mit anderen Hunden kann ich beim ersten Termin oft nicht gleich alle Tests/Untersuchungen machen, die nötig sind.“ Und das Beste nach diesen 90 Minuten mit verschiedenen Übungen, Filmaufnahmen seines Gangbilds etc.: Am Ende konnte kein Humpeln festgestellt werden, es gibt lediglich eine Disbalance, die man mit einfachen Übungen wegtrainieren kann. Zurück zum Thema:

Tage ohne Pepe? Unvorstellbar!

Seit der Ankunft Pepes hat sich bei einem selbst (emotional) sehr vieles verändert, was man in dieser Ausprägung eher nicht erwartete. Was ich damit meine? Wir hatten uns zuvor beispielsweise vorgestellt, dass wir während eines Urlaubs im Ausland den Kleinen in einer Hundepension versorgen lassen, denn einen Flug wollen wir ihm unbedingt ersparen.

Soweit zum Vorhaben, kommen wir zum Realitäts-Check: Niemals würden wir ihn auch nur einen Tag in einer Pension abgeben, ganz gleich wie gut er dort versorgt wird. Es gibt allerdings eine Ausnahme: Da unser Trainer auch immer wieder mal Hunde in Pension zu sich aufnimmt, wäre dies für uns die einzige Option, da er sich dort wohlfühlen würde, zumal der Hund des Trainers, der strubblige „Mo“, der einzige Hundekumpel von Pepe ist.

Niemals ohne Pepe

Vorbild sein in jeder Situation

Außerdem habe ich mittlerweile erkannt, dass es neben einzelnen Kommandos und weiteren Feinheiten etwas Wichtigeres gibt: Der treue Vierbeiner braucht einen (menschlichen) Begleiter, der in jeder Situation selbst souverän durchs Leben schreitet, der weiß, was er will und das täglich vorlebt. Pepe muss sich auf uns verlassen können und soziale Unterstützung erhalten, wir sollten zu jeder Zeit berechenbar sein und einen Plan haben.

Denn am Ende wird der Hund das Verhalten des Halters in vielen Ausprägungen spiegeln. Und wenn der Mensch zum Beispiel auf dem Gassigang beim Anblick eines anderen Hundes panisch wird, wie bitteschön soll der Vierbeiner dann relaxed in eine Hundebegegnung gehen? Wenn man selbst nicht stabil ist, so wird auch die Beziehung zwischen Halter:in und Hund voraussichtlich nicht stabil sein können.

Der Hund beobachtet nämlich sehr viel und registriert viel mehr vom Verhalten des vermeintlichen (menschlichen) Chefs als man gemeinhin glaubt. Er kann genau erkennen, wenn das andere Ende der Leine sich unwohl fühlt, nervös oder unsicher ist oder Gefahr wittert. Und ich weiß, wovon ich spreche. Von einer totalen Souveränität bin ich zwar weiterhin noch ein Stück weit entfernt, aber ich arbeite an mir.

Eine stabile Bindung durch Souveränität

Über den Tellerrand hinausschauen

Durch die Arbeit und viele Gespräche mit den Trainer:innen erhielten wir mehr Einblicke in den Bereich des Tierschutzes und in die Arbeit eines Hundetrainers. Ich durfte dankenswerterweise bei einer Vorbereitung auf einen Wesenstest eines als gefährlich eingestuften Hundes („Chico“) teilnehmen, was für mich total spannend, interessant und mit tollen Erfahrungen (und einigen Adrenalinstößen) verbunden war. Das als Donner vernommene Grollen war beispielsweise nicht etwa ein aufziehendes Gewitter, sondern die tiefe Tonlage des Protagonisten „Chico“, sehr beeindruckend und respekteinflößend.

Trotz allem ist der hübsche Kerl im Kern ein toller Hund und hat eine Chance verdient. Und wer weiß, vielleicht bin ich sogar eines Tages Gründungsmitglied eines Tierschutzvereins und vielleicht ist dieser Tag gar nicht mehr so weit entfernt?! Oder nehme ich euch auf den Arm? Mehr wird nicht verraten.

Dank des Tierschutzes möglich: Jede(r) hat eine Chance verdient!

Groupie-Alarm?!

Auch dank des Blogs gab es in der Sozialisierungs-Gruppe immer wieder sehr nette Gespräche mit einigen Teilnehmern und Teilnehmerinnen. Wir wurden desöfteren angesprochen: „Das ist jetzt DER Pepe, oder?“ und vor zwei Wochen lautete die Frage: „Das ist doch der Dorfsheriff und diese Sozi-Gruppe ist die der anonymen Pöbler, richtig?“. Die Reaktionen und Rückmeldungen waren zumeist so, dass sich die anderen Hundebesitzer in den Schilderungen wiedererkannten und ihnen manche Situation sehr bekannt vorkam. Da kann ich nur sagen: Ziel erreicht!

Ich freue mich immer über die persönlichen Rückmeldungen, auch wenn ich weit weg davon bin, nach Likes oder Followern zu jagen, denn das ist nicht meine Welt. Trotzdem möchte ich nicht verschweigen, dass wir bei dem einen oder anderen Blog-Beitrag in der Spitze über 300 Leser hatten, was uns total überraschte und riesig freute. Für einen Blog, der irgendwann einmal geplant war, innerhalb weniger Tage dann auf die Beine gestellt und von einem Amateur-Schreiberling befüllt wurde, ist diese Zahl gar nicht mal so schlecht. Ein wenig stolz können alle Beteiligten sein.

Dickes DANKESCHÖN an: Ideen-Chris, Biene Silvi und Adlerauge Ines!

Apropos Beteiligte! Ohne eine schlagkräftige, kreative bzw. positiv verrückte Truppe gäbe es diesen tollen Blog erst gar nicht: Chris, der Mann mit den tausend Ideen, der mich irgendwann fragte, ob ich Lust auf einen Blog hätte und von meinem Testballon so begeistert war, dass relativ schnell klar war, welche Aufgabe ich ab sofort übernehmen durfte. Dann gibt es in unserem Team die fleißige Biene Silvi, die unter anderem das Feld „Social Media“ bei uns beackert wie kein:e andere:r und damit für eine große Reichweite sorgt. Und Adlerauge Ines fand jeden noch so kleinen (Schreib-)Fehler.

Es gibt natürlich auch noch Pepe, den Hauptakteur, der den Stoff für die Stories lieferte und meine Frau Steffi, die ihre Ideen mit einbrachte und die Entwürfe regelmäßig las, bevor sie dem Adlerauge Ines und Chris vorgelegt und zum Glück immer auch abgesegnet wurden. Und ein besonderer Dank von Pepe gilt Mo, seinem einzigen Hundekumpel. Er hat mit viel Geduld die anfänglichen Pöbeleien von Pepe ertragen und ihm damit gezeigt, dass Hunde nicht per se gruselig oder gar gefährlich sein müssen. Allen habe ich zu verdanken, dass ich auf meinem Lebensweg unverhofft an einer Kreuzung abbog, die es zuvor noch gar nicht gab, der Weg sich aber als die richtige Richtung anfühlt. Vielen Dank dafür!

Pepe sagt: Danke, Mo!

Der Blick in die Glaskugel: Que sera?

Die Frage, die man sich oftmals stellt, ist die, was die Zukunft noch bringt?! Doch wieviel davon trifft am Ende dann auch ein? Das erinnert mich an das Schild, welches bei uns im Flur hängt: „Und sobald Du die Antwort hast, ändert das Leben die Frage!“. Man darf gespannt sein. Mit Pepe haben wir mit Sicherheit noch eine spannende Zeit vor uns. Das Thema „Futter“ werden wir nicht so schnell abgehakt haben, befürchte ich. Ich sehe uns drei auch weiterhin bei den anonymen Pöblern, bis Pepe verinnerlicht bzw. wir ihm vermitteln können, dass wir ihn in den für ihn gruseligen Situationen bedingungslos beschützen, alles regeln und er sich das alles entspannt aus der zweiten Reihe anschauen kann. Vielleicht kann ich ihn dabei in Zukunft (noch) besser unterstützen, denn:

Was wird die Zukunft bringen?

Der Pepe-Code ist bald entschlüsselt?!

Nach einer Einheit mit unserem Hundetrainer wurde ich von ihm mit einer Frage konfrontiert, bei der für mich die Antwort nach kurzer Bedenkzeit relativ klar war. Seine Frage lautete: „Kannst Du Dir vorstellen, bei mir eine Weiterbildung zum Hundetrainer zu absolvieren?” Mein Gedankengang: Ich hätte also tatsächlich die Chance, den „Pepe-Code“ zu entschlüsseln?! Dann weiß ich endlich, warum er sich so verhält, wie er sich in bestimmten Situationen verhält?! Und ich würde rechtzeitig erkennen, wenn er auf „Krawall” gebürstet ist, wenn ein Hund uns entgegenkommt und vor allem, was wir vom Gegenüber vermeintlich zu erwarten haben.

Im Ernst: Mich fasziniert die Arbeit mit Hunden und mit dem kleinen Einblick, ermöglicht durch die Trainingsarbeit in der Hundeschule, verstärkte sich mein Verlangen, mehr als nur die Basics zu erfahren. Die logische Antwort lautete: JA! Ich werde also ab Ende September das neue Kapitel „Weiterbildung zum ganzheitlichen Hundetrainer” aufschlagen und freue mich riesig auf tolle Begegnungen und wertvolle Erfahrungen, die man zum Beispiel bei der Arbeit mit Tierheimhunden vor Ort sicherlich machen wird.

Dem Pepe-Code auf der Spur

Ideen über Ideen

Unser Engagement im Bereich des Tierschutzes könnte – sofern dies unsere Zeit zulässt – durchaus um weitere Facetten ausgebaut werden. Es ist ja nicht so, dass wir hier noch nicht tätig waren. Wir begannen vor Jahren als Gassigänger in einem örtlichen Tierheim und sind bereits seit vielen Jahren Mitglied in einem Tierschutzverein. Und schließlich haben wir auch einen zuckersüßen Gesellen aus dem Tierschutz nun bei uns. Trotzdem gibt es noch viele Ideen (Stichwort „Ideen-Chris”), von deren Realisierung vielleicht auch irgendwann zu lesen sein wird, wer weiß?!

War es das jetzt wirklich? Sag niemals nie!

Ein wenig Wehmut beim Schreiben der vermeintlich letzten Zeilen des letzten Teils ist dabei, das muss ich zugeben. Ich hatte viel Spaß beim Schreiben des Blogs, habe auf eine gewisse Art und Weise viele Situationen dadurch nochmal durchlebt, reflektiert und sogar besser verarbeiten können. Ich schließe nicht aus, dass ihr in absehbarer Zeit wieder mal von uns, unseren Erlebnissen und Gedanken lesen könnt. Lasst euch einfach überraschen! Falls ihr Anregungen habt, Wünsche äußern möchtet oder Lob verteilen wollt, hinterlasst einfach einen Kommentar. In diesem Sinne: Hasta luego…

Wir sind dann mal weg…vorerst jedenfalls!

3 Kommentare

  1. Simone Wenzlaff

    Ach schade … das kann doch noch nicht alles gewesen sein 😃
    Lieber Michael, vielen Dank für die unterhaltsamen Momente und den Einblick in Pepes und Eures Lebens. Ich hoffe sehr auf eine Fortsetzung und freue mich darauf.
    Bis bald, Simone

    Antworten
  2. Monika Goldschmidt

    Lieber Michael,
    Vielen Dank für deinen wirklich super toll geschriebenen Blog. Ich bin erst später eingestiegen und habe aber dann gleich alle Beiträge nachgelesen….. Auch wir sind bei den “anonymen Pöplern” und habe uns in vielem was du so erzählt hast wiedergefunden, echt klasse und kurzweilig geschrieben.
    Liebe Grüße
    Monika und Kiki

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  3. Frank Ebert

    Witzig geschrieben, aber offensichtlich einen wirklich sehr speziellen Hund erwischt.
    Unsere (ehemalige) spanische Straßenhündin Laura ist quasi das komplette Gegenteil von Pepe – verträglich mit nahezu allen Hunden und extrem sozial eingestellt. Sprich Hundeschule und Stress blieben uns erspart und sie genießt das Familienleben mit all ihren Hunde- und Katzenfreunden. Glück gehabt!

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